Ich konnte schon früh mit der Bohrmaschine umgehen

susanne thürerBeim Besuch des produktionstechnischen Zentrums Hannover in Garbsen (PZH) ist uns eine Personalie besonders ins Auge gefallen. Frau Susanne Thürer gab uns faszinierende Einblicke in die Metallbearbeitung durch die Anwendung des Strangpressens.

Gebürtig aus Oberfranken führte die einzige Frau in einem männerdominierten Arbeitsbereich souverän durch ihren Vortrag. Wir haben dies zum Anlass genommen mit ihr ein Gespräch zu führen.

Frau Thürer, wann haben Sie bemerkt, dass Sie sich für Technik interessieren?

Es ist mehr zufällig abgelaufen. In unserer Familie haben wir vier Kinder (2 Mädchen, 2 Jungs) technische Themen und hauswirtschaftliche Tätigkeiten immer schon gemischt. Meine Eltern haben sich bewusst dafür entschieden haben, uns Kinder offen und ohne jegliche Vorurteile gegenüber Branchen zu erziehen. Meine beiden Brüder sind aber nicht im Technikfach gelandet - einer ist Sozialwissenschaftler, der andere ist Volkswirt.

Sind Sie von Lehrern positiv in Richtung "MINT" beraten oder beeinflusst worden?

Ja, meine Lehrer am Gymnasium hatten schon Anteile an meiner Entscheidung, ein MINT-Fach zu studieren. Bei Physik ist der Funke nicht übergesprungen, dafür in der Chemie umso mehr. Mein Chemielehrer konnte den Stoff sehr anschaulich erklären. Meine Schwester zog nach Hannover, um Tiermedizin zu studieren. Ich zog nach und begann ein Bachelorstudium an der chemischen Fakultät der Leibniz Uni Hannover.

Wie kamen Sie nach dem Masterabschluss ins PZH zum Institut für Werkstoffkunde?

Zwischen der chemischen Fakultät und dem Institut für Werkstoffkunde (IW) besteht eine langjährige Zusammenarbeit. Bei der Arbeit mit Werkstoffen sind in vielen Fällen auch Aspekte der Chemie zu berücksichtigen. Ich habe mich beworben und wurde eingestellt. Das IW bietet mir zusätzlich die Möglichkeit, eine Promotion zu beginnen - das Thema steht aber mit allen Details noch nicht fest. Es wird sicher innerhalb der Aufgaben des Sonderforschungsbereichs 1153 angesiedelt werden. Bei den Maschinenbauern heisst der Titel dann Dr.-Ing und nicht Dr. rer. nat wie bei den Chemikern.

Was sind die fachlichen Inhalte des Projektes "Sonderforschungsbereich SFB 1153" ?

In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an technische Bauteile generell gestiegen. Die Märkte brauchen stetig leistungsfähigere Produkte im Hinblick auf ein reduziertes Gewicht, auf erweiterte Funktionalität und höhere Widerstandsfähigkeit. Das übergeordnete Ziel des SFB 1153 "Tailored Forming" ist es, die Potentiale für hybride Massivbauteile auf der Basis eines neuen Fertigungsprozesses zu erschliessen.

Innerhalb des "1153" arbeiten derzeit zirka 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Eingebunden sind Werkstoffkunde, Umformtechnik, Simulation, Spantechnik und Messtechnik.  Die Arbeit in diesem grossen interdisziplinären Team macht mir sehr viel Spass.

Welche beruflichen Ziele verbinden Sie langfristig mit Ihrer Arbeit als Ingenieurin?

In meinem Ausbildungs- und Berufsleben hat immer wieder der Zufall eine Rolle gespielt. Von der Chemie kommend bin ich aktuell im Maschinenbau und in der spannenden Werkstoffkunde gelandet. Technologisch interessieren mich sehr das Strangpressen, das ganze Spektrum der Analysetechnik und die Qualitätssicherung.

Ich arbeite gern sowohl wissenschaftlich aber eben auch praktisch in der Werkhalle oder im Versuchslabor. Nach der Promotion werde ich weiter sehen. Ich fühle mich in Hannover richtig wohl - aber für interessante Arbeit würde ich sofort umziehen - auch innerhalb Europas. Wer weiss, vielleicht lande ich bei einem grossen Strangpresser-Konzern. Die Vielfalt der technischen Themen wird mich im Berufsleben immer begleiten.